Pilger sein
Das Motiv des Pilgers
Das Pilgermotiv gibt es von alters her in fast allen Kulturen und Religionen: sich auf den Weg machen zu einer Pilgerwanderung oder Wallfahrt. Pilger gibt es unter anderem im Hinduismus, im Islam, im Buddhismus und im Christentum. Die Pilger suchen oft nach dem Heiligen in ihrem Leben. Viele wollen ihre Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zu Gott vertiefen. Manche Menschen möchten vom tieferen Wert des Lebens erzählen und sich für ungeplante Begegnungen in neuen Zusammenhängen öffnen. Eine Art dies zu tun ist zu heiligen Orten zu wandern oder zu reisen, um sich von jemand inspirieren zu lassen, der mit gutem Beispiel vorangegangen ist.
Aufbruch
“Brich auf, brich auf, der neue Tag beginnt, unendlich ist unser großes Abenteuer.”
Karin Boye
Das Wort Pilger ist nach einer verbreiteten Deutung vom lateinischen Wort für “Fremder” abgeleitet. Er ist eine Person, die über das Land kommt, aus anderen Ländern und Orten. Wenn er wandert oder reist, befindet er sich auf fremdem Boden, unter fremden Menschen. Das passt auch gut im übertragenen Sinne: wir sind hier in unserer irdischen Existens nur auf Zeit. Nach dem Beispiel Christi sind wir unterwegs zu einem Leben, das sich hinter dem Sichtbaren verbirgt, zu einer Urheimat. Gleichzeitig finden wir immer mehr in uns selbst, in unseren Herzen.
Das Pilgerziel
In Skandinavien gehören der Nidarosdom in Trondheim (Hl. Olav) und die Klosterkirche in Vadstena (Hl. Birgitta) zu den bekanntesten und meistbesuchten Pilgerzielen. Natürlich gibt es in der Region noch viele andere bestens geeignete Ziele für eine Pilgerwanderung. Das kann eine Kirche sein, ein schöner Ort in der Natur, eine Quelle oder eine Klosterruine. Trotzdem gibt es viele Pilger, die bezeugen, dass der Weg oft zum Ziel wird, dass es der Weg ist, der die Mühe wert ist. Ein Pilger versucht nach dem dreifachen Liebesgebot zu leben: Gott suchen und lieben, sich selbst suchen und lieben und seine Mitwanderer, also andere Menschen suchen und lieben.
Das Ziel
“Es ist etwas hinter den Bergen, hinter den Blumen und hinter dem Gesang,
es ist etwas hinter den Sternen und hinter meinem heißen Herzen.”
Dan Andersson
Die innere und die äußere Wanderung
Ein Pilger wandert immer auf zwei Ebenen, er erlebt die innere und die äußere Wanderung. Während einer Pilgerwanderung geschieht auch gleichzeitig etwas innerhalb des Menschen. Er entdeckt wahrscheinlich mehr von sich selbst und bekommt manchmal neue Lebensansichten, vielleicht genießt er auch den Vorteil, diese mit seinen Mitwanderern zu teilen.
Begegnung
“Ein Wort oder zwei zu wechseln machte es leicht zu gehen.
Die Begegnung aller Menschen sollte so sein.”
Hjalmar Gullberg
Wie eine Karte, ein Pilgerpfad oder ein Fremdenführer, der uns in der äußeren Welt führt, können wir auch einen Reiseführer in unserem Inneren haben, der uns auf unserer inneren Wanderung leitet. Für viele von uns ist Jesus dieser Begleiter. Es liegt eine Tiefe im Bewusstsein, dass man in dieser Welt lebt, aber nicht von dieser Welt. Wir sollten die Möglichkeit annehmen, nach innen zu hören. Mit uns geht auch ein unsichtbarer Mitwanderer. Wir unterstützen diese Kommunikation mit Gebet, Meditation und Stille. Die Wanderung wird oft wie das Leben in einer Wohngemeinschaft, die unterwegs ist. Man teilt sich anstehende Aufgaben und lebt gemeinsam in aller Einfachheit.
Gottes Reich
“Niemand kann sagen: ‘Hier ist es!’, oder ‘Dort ist es.’
Nein, Gottes Reich ist in Euch.”
Jesus
Die Lebenswanderung
Unsere Wanderung als Pilger durch das leben dauert von der Geburt bis zum Tod. Auf unserem Weg erfahren wir oft Lebenskrisen oder treffen auf Menschen, die unserem Leben eine neue Richtung geben. Neuanfänge und ersehnte Ruhepausen. Freizeiten, Retreats und einsame Wanderungen, die uns neue Kraft geben. In diesem Sinne sind alle Menschen Pilger.
Wanderung
“Die Liebe kommt, die Liebe geht, niemand kann ihre Gesetze ergründen.
Aber dir will ich folgen im Sommer wie im Winter
und an allen meinen Lebenstagen.”
Nils Ferlin


